So, heute gibt es endlich den Artikel zum “magischen Dreieck der Belichtung”, den ich Euch schon vor einiger Zeit versprochen hatte.

Die Idee des magischen Dreiecks besagt, dass es drei Variabeln gibt, die ein korrekt belichtetes Foto ausmachen, das weder zu hell noch zu dunkel ist: nämlich Blende, Belichtungszeit und ISO. Was es damit im einzelnen auf sich hat, hab ich euch in verschiedenen Blogposts schon mal ausführlich beschrieben (hier, hier und hier).

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Heute möchte ich Euch nun erklären, wie diese drei Dinge zusammenhängen.
Vielleicht erinnert Ihr Euch noch an das Bild mit dem Fenster, das ich benutzt hatte um Euch den Zusammenhang zwischen Blende und Belichtungszeit zu erklären? Das war so: um einen Raum zu lüften, kann man entweder das Fenster auf Kipp stellen (=kleine Blende), dann muss man das Fenster aber länger auflassen, damit entsprechend genügend frische Luft reinkommt (=längere Belichtungszeit). Oder man kann Stoßlüften (=große Blende), dann muss das Fenster ensprechend nur kürzer aufbleiben (=kürzere Belichtungszeit).
Um die ISO, also die Lichtempfindlichkeit des Sensors, auch noch mit ins Spiel zu bringen, könnte man sich vorstellen, dass die ISO quasi der Frischluftbedürftigkeit (gibt’s das Wort? :) ) der Leute in dem Raum entspricht. Hat man also einen Raum mit kälteempfindlichen Warmduschern wie mich (=hohe ISO), braucht das Fenster nicht lange aufzusein (“ui, ja danke das reicht”).  Ist der Raum stattdesssen voll mit Frischluftfanatikern (= niedrige ISO) muss das Fenster länger offenbleiben, bis alle zufrieden sind. Easy, oder?

Alle drei Variabeln bedingen sich also gegenseitig (von wegen Magie und so…). Änderst Du die eine, muss Du zumindest auch noch eine andere Variabel mitändern um ein korrekt belichtetes Foto zu erhalten. Es gibt viele verschiedene Kombinationen aus Blende, Belichtungszeit und ISO, die alle zum Ziel eines korrekt belichteten Fotos führen, aber trotzdem ein jeweils unterschiedliches Ergebnis bringen. Du als Fotografin entscheidest, wie Du Dein Motiv in Szene setzen möchtest und kannst dementsprechend Deine Kameraeinstellungen auswählen.

Zu abstrakt? Ok, ich versuch’s mal konkreter.
Im ersten Schritt solltest Du die ISO einstellen. Und zwar in Abhängigkeit der Lichtverhältnisse, die bei der Aufnahme herrschen, so niedrig wie möglich und so hoch wie nötig. Fotografierst Du draußen bei Sonnenschein, wähl eine niedrige ISO-Zahl, nimmst Du innen in einem Zimmer mit nur einem Fenster ein Foto auf, wähle eine höhere ISO. Hier kannst Du noch mal mehr zum Thema nachlesen.

Also nächstes wäre zu klären, was Du auf Deinem Foto wie erreichen willst. Möchtest Du eine Portraitaufnahme mit einem unscharfen Hintergrund, von dem sich das Motiv schön abhebt? Dafür brauchst Du eine offene Blende (=kleine Blendenzahl). Nun hast Du schon zwei Variabeln fix, und die dritte leitet sich automatisch davon ab. Wenn Du nicht im M(anuellen)-Modus fotografierst und die passende Belichtungszeit per Belichtungsmesser selbst festlegen kannst, wähle in diesem Fall einfach den AV-Modus aus. In diesem kannst Du die ISO selbst festlegen (geht im kompletten Automatik-Modus nicht) und auch die von Dir gewünschte Blende auswählen. Die Kamera wählt dann automatisch, die dazu passende Belichtungszeit aus.
Solltest Du merken, dass diese von der Kamera ausgewählte Belichtungszeit zu lang ist um das Foto verwacklungsfrei aus der Hand aufzunehmen, weißt Du jetzt dank magischem Dreieck was Du tun kannst: nämlich die andere noch freie Variabel ändern – in diesem Fall die ISO. Diese kannst Du nun so lange erhöhen, bis Dir eine Belichtungszeit eingestellt wird, die Du ohne zu Verwackeln handeln kannst. Ja, höhere ISO bedeutet vielleicht etwas mehr Rauschen. Aber lieber mehr Rauschen, als ein total verwackeltes Foto!

Anderes Beispiel:
Du möchtest Deine spielenden Kinder draußen im Garten fotografieren. Die ISO hast Du entsprechend eingestellt. Nun weißt Du, dass Du eine kurze Belichtungszeit brauchst, um die Bewegung der Kinder “einzufrieren”. Du stellt also z.B. eine Belichtungszeit von 1/800 ein. Die dazugehörige Blende stellst Du dann entweder im M-Modus wieder selbst von Hand ein oder Du fotografierst im TV-Modus und lässt Dir die passende Blende von der Kamera einstellen. Auch hier gilt: gefällt Dir der erzielte Effekt nicht, in diesem Fall z. B. weil mit der ausgesuchten Blende die Schärfentiefe zu gering ist, kannst Du wieder über die ISO korrigieren. Erhöhe diese, dann kommst Du mit einer kleineren Blende (= größere Blendenzahl) aus. Oder Du lässt die ISO konstant, aber verringerst die Belichtungszeit noch etwas.

Immer daran denken: es gibt viele Wege nach Rom – also mehrere Kombinationen aus Blende, Belichtungszeit und ISO, die ein korrekt belichtetes Foto erzielen. Du musst die für Dein Motiv und Deine Lichtverhältnisse passende finden! So übernimmst Du die Kontrolle über Deine Fotos und lässt nicht Deine Kamera willkürlich entscheiden.

Viel Spaß beim Ausprobieren und Üben, glaubt mir, es lohnt sich!

 


Geschrieben von clickLiebe in Blog, Fotografie, Tutorials
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