Trampolin
Hallo Ihr Lieben, wie war Euer Sommer? Ich hab ja die heimliche Hoffnung, dass er noch nicht ganz vorbei ist, der Sommer, aber zumindest die Sommerferien sind hier in NRW schon vorüber und damit auch die Alltagsroutine wieder zurück (wobei, puh, so nach einigen Wochen ist man ja geradezu froh darüber, oder? ;-) )
Ich hab im Urlaub wahnsinnig viele Fotos geschossen, Ihr auch? Sorry, dass ich die hier nicht zeige, Ihr wisst ja mittlerweile, dass ich da ziemlich zurückhaltend bin. Aber ein paar Fotos möchte ich gleich doch posten, die habe ich nämlich extra aufgenommen, weil ich dabei ein neues Tutorial im Hinterkopf hatte…
Nämlich: wie kriegt man eigentlich unverwackelte Fotos von etwas hin, das sich schnell bewegt? Sprich, wie fotografiert man am besten Kinder, Tiere, Sportler, Autos o.ä. Also halt alles was nicht so still hält wie der Teller mit den selbstgebackenen Cupcakes ;-)

Um das hinzukriegen muss man wissen, was die Verschlusszeit an einer Spiegelreflexkamera macht.
In meinem letzten Fotografietutorial hatte ich Euch ja erklärt, was die Blende regelt und wie man es über die Einstellung der Blendenöffnung hinbekommt, dass der Hintergrund schön unscharf erscheint. Vielleicht erinnert Ihr Euch: über die Blende steuert Ihr, wie groß die Öffnung ist, durch die Licht in die Kamera auf den Sensor fällt.

Mit der Verschlusszeit (oder auch Belichtungszeit genannt) regelt Ihr nun, wie LANGE Licht auf den Sensor gelangen kann. Der Verschuss ist eine Art Jalousie in Eurer Kamera und wenn Ihr auf den Auslöser drückt, öffnet sich dieser für eine gewisse Zeit, so dass Licht hereingelangen kann. Bei einer kurzen Verschlusszeit öffnet sich der Verschluss nur kurz, bei einer längeren Verschlusszeit entsprechend länger. Eigentlich ganz einfach oder? Die Verschlusszeit wird immer als Bruchteil einer Sekunde gemessen und dargestellt. Wenn Ihr auf dem Display Eurer Kamera z.B. “1/125″ oder “1/1000″ seht, dann ist damit die Verschlusszeit gemeint. Erinnern wir uns noch mal kurz an den Matheunterricht zurück: je größer der Wert im Nenner des Bruchs, um so kleiner die Zahl, d.h. um so kürzer die Belichtungszeit! :) 1/1000 ist also eine deutlich kürzere Verschlusszeit, als 1/100. Extrem lange Belichtungszeiten von einer Sekunde oder mehr werden mit einer Zahl und zwei ” dargestellt.

OK, was hat das jetzt alles mit meinen hüpfenden Kindern zu tun?

Mit der Verschlusszeit bestimmt Ihr, ob Bewegung scharf oder unscharf eingefangen wird. Beides kann je nach Motiv erwünscht sein…

Kinder, die sich bewegen, die rennen oder hüpfen, möchte man ja meistens möglichst scharf einfagen, quasi die Bewegung einfrieren. Damit das gelingt, müsst Ihr eine möglichst kurze Verschlusszeit auswählen, damit der Verschluss sich wirklich nur gaaaanz kurz öffnet und Ihr wirklich nur ein ganz kleines Scheibchen der Bewegung einfangt. Kurze Belichtungszeiten sind z. B. 1/800 und kürzer. Die bieten sich an, wenn Kinder sich wirklich schnell bewegen. Aber auch wenn Kinder nicht super rumtoben und einfach nur nur darsitzen, sind sie ja auch nicht wirklich still, eine Hand, ein Fuß oder der Kopf sind ja quasi immer in Bewegung. Ich hab die Erfahrung gemaht, dass ich meine beiden Jungs mind. mit einer Verschlusszeit von 1/400 fotografieren muss, um die Chance auf ein halbwegs  scharfes Foto zu bekommen (es sei denn, ich hab sie bestochen und sie halten mal wirklich einen Augenblick gaaaanz still… ;-) )

=> Also je schneller sich das Motiv bewegt, desto kürzer muss die Belichtungszeit sein! <=

Manchmal möchte ich aber auch Bewegung extra unscharf einfangen, was dann?

Ja, manchmal ist Bewegungsunschärfe erwünscht, wenn man z.B. auf dem Foto ein Gefühl von Bewegung vermitteln will. Beispiele wären ein Auto, das vorbeifährt, Fußgänger, deren Bewegung man darstellen möchte oder auch ein Wasserfall, den man fließend abbilden möchte.
Dann muss man enstprechend auf eine längere Verschlusszeit zurückgreifen. Dadurch bleibt der Verschluss länger offen, das sich bewegende Motiv läuft/ fährt quasi durchs Bild und die Bewegung wird so mit eingefangen. Das führt natürlich zu verwischten/ fließenden Bildern, aber das ist in dem Fall eben gewüsncht. Wenn man wirklich lange belichtet (d.h. mehrere Sekungen oder sogar Minuten) dann kann man Bilder machen von ineinanderübergehenden Rückleuchten von Autos auf einer Autobahn oder sogar von Sternenbewegungen.

Ich hab im Urlaub diese Fotos hier gemacht, an denen man das noch mal schön sehen kann: mit einer superkurzen Verschlusszeit (1/2500) wirkt der Wasserstrahl wie eingefroren, man kann richtig einzelne Wassertropfen sehen, die durch die Luft fliegen.
Je länger die Verschlusszeit wird, desto mehr verwischt das Wasser in einen fliessenden Strahl.

VerschlusszeitAllerdings muss man eins bei der Auswahl von längeren Verschlusszeiten berücksichtigen.

Belichtet man länger, werden nämlich nicht nur die Bewegungen des Motivs sichtbar, sondern auch die des Fotografen. Und damit meine ich jetzt nicht Laufen oder ähnliches, sondern einfach die Bewegung beim Auslösen, Atmen oder ganz leichtes Wackeln mit den Armen. Als grobe Daumenregel kann man sagen, dass alles was länger als 1/125 beträgt, zu Verwacklungen durch den Fotografen führen kann. Das ist nur eine ganze grobe Regel, wie lange man tatsächlich verwacklungsfrei aus der Hand fotografieren kann hängt erheblich vom Fotografen selbst ab und auch das Objektiv spielt natürlich eine Rolle (Brennweite, Bildstabilisator). Erfahrene Fotografen können Verschlusszeiten von 1/50 aus der Hand fotografieren, bei mir ist definitv bei 1/125 Schluss…
Bei solchen längeren Verschlusszeiten empfiehlt sich dann der Einsatz eines Stativs. Hat man keins zur Hand können folgende Tipps helfen, möglichst unverwackelte Fotos zu erreichen:
- Haltet die Kamera mit beiden Händen und drückt Eure Ellbogen eng an den Körper.
- Drückt den Auslöser halb durch, haltet kurz die Luft an und drückt dann ganz durch.
- Stützt die Kamera auf etwas ab, z.B. einer Bank, Mauer, einem Zaun o.ä.

Und wie stell ich das jetzt alles an meiner Kamera ein?

IMG_3346Auch bei der Verschlusszeit gilt: um diese selbst festlegen zu können, müsst Ihr raus aus dem Automatikmodus Eurer Kamera! Für den Anfang ist der sog. TV-Modus hilfreich. In diesem “Time-Value” Modus – oder auf deutsch “Zeit-Wert” Modus -  könnt Ihr nämlich die Verschlusszeit aussuchen und die Kamera errechnet Euch dazu automatisch die passende Blende. Deswegen heißt dieser Modus auch Blendenautomatik.
Ihr stellt Eure Kamera also auf TV. Wenn Ihr Eure Kinder oder Tiere fotografiert wählt Ihr eine möglichst kurze Verschlusszeit aus.  Möchtet Ihr Bewegungen verwischen lassen, nehmt eine längere Verschlusszeit.
An meiner Canon 600d geht das im TV-Modus ganz einfach über das Drehrad, im Display Euer Kamera seht Ihr dann wie sich der Bruch, als die Verschlusszeit verändert. Nicht vergessen: je kleiner der Wert im Bruch wird, desto länger die Verschlusszeit.
Fokussiert dann auf das Objekt oder den Bereich Eures Fotos, der scharf erscheinen soll und drückt auf den Auslöser. Ganz einfach!

Viel Spaß beim Ausprobieren! Wenn Ihr mögt, zeigt doch mal Eure Ergebnisse! Würde ich mich super drüber freuen!

 

 


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